Aus der Presse
"Wir sind auf der Suche nach Hotels und Einzelhandel"
21.05.2020
Seit der Corona-Krise stehen große Investoren beim Kauf von Immobilien auf der Bremse. Doch es gibt auch Investoren, die mit guten Kaufgelegenheiten rechnen.

Der französische Fondsanbieter Corum – der im Vorjahr mit dem Vertrieb in Österreich gestartet ist –, ist gerade jetzt auf der Suche nach Hotels und Einzelhandelsimmobilien, wie Corum-Gründer Frederic Puzin verrät.

TOP-GEWINN: Ihr Fonds Corum Origin hat derzeit 1,87 Milliarden Euro in Immobilien in 13 Ländern der Euro-Zone investiert. Wie stark sind Ihre Mieter und Ihre Mieteinnahmen von Corona betroffen? Müssen Sie Ihr Ziel von sechs Prozent Rendite senken?

PUZIN: Im März hatten wir 40 Prozent Mieter, die um Mietreduktion angefragt haben, und acht Prozent, die tatsächlich nicht gezahlt haben. Im April waren es nur noch drei Prozent. Wir glauben, dass wir das noch verbessern und heuer eine Dividende zwischen fünf und sechs Prozent zahlen werden können. In unserem Worst-Case-Szenario könnten 30 Prozent der Mieter ein Jahr lang keine Miete bezahlen. Dann würde die Rendite auf 4,2 Prozent sinken. Die größten Mieter, die finanziell am stärksten sind, waren übrigens die ersten, die um Mietreduktionen angefragt haben.

TOP-GEWINN: Und in welchen Ländern ist das Vermieten derzeit am schwierigsten?

PUZIN: Die schwierigsten Märkte sind Frankreich und Deutschland. Zweiteres überrascht auf den ersten Blick, aber dort sind die Mieter besonders hartnäckig. Dort wird jede Möglichkeit genutzt, um nachzuverhandeln. Erstaunlicherweise haben wir in Italien so gut wie keine Probleme.

TOP-GEWINN: Beginnen Sie jetzt schon das Portfolio umzubauen? Weniger Einzelhandel, weniger Hotels, die von der Krise besonders hart getroffen werden, und stattdessen lieber Wohnungen?

PUZIN: Wohnen ist weiterhin kein Thema für uns. Die Rendite ist zu gering. Nein, wir sind vielmehr auf der Suche nach Hotels, weil deren Preise sinken, wir sind auf der Suche nach Einzelhandelsimmobilien. Vor zwei Monaten bekam man eine Einzelhandelsimmobilie in Paris oder München für eine Rendite von 2,5 oder drei Prozent. Wegen der Krise bekommt man dieselbe Immobilie zu einem Preis, der eine Mietrendite von vier oder 4,5 Prozent ergibt. Alle Investoren laufen derzeit in dieselbe Richtung und wollen z. B. keine Hotels. Genau deshalb ergeben sich für uns Möglichkeiten. Für uns wirkt der Markt „gesünder“ als vor zwei Monaten. Die Risikoprämie für den Investor ist höher.

TOP-GEWINN: Fallende Preise machen Zukäufe interessant, aber sinkt gleichzeitig nicht auch der Wert Ihrer bestehenden Immobilien?

PUZIN: Wir gehen von einem Abwertungsrisiko von drei bis fünf Prozent für unser Portfolio bis zum Jahresende aus. Wir sind aber sehr zuversichtlich, diese Abwertung verhindern zu können.

TOP-GEWINN: Österreich war Ihnen bisher für Zukäufe zu teuer . . .

PUZIN: Derzeit ist der österreichische Markt noch sehr stark. Vielleicht ändert sich die Situation in sechs Monaten oder einem Jahr. Wir stehen erst am Anfang der Krise.

Mai 2020