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diePresse diePresse 27.05.19

Bausteine der Risikostreuung

Im ersten Quartal 2019 erreichte das Volumen offener Immobilienfonds den Rekordwert von 8,67 Milliarden Euro. In unsicheren Zeiten schätzen Anleger ihre Stabilität.

Dass sich offene Immobilienfonds bei Herrn und Frau Österreicher großer Beliebtheit erfreuen, ist nicht von der Hand zu weisen. Das einschlägige Fondsvolumen ist in den vergangenen Jahren nahezu durchwegs gestiegen, und im ersten Quartal 2019 wurde mit einem Plus von fast vier Prozent auf 8,67 Milliarden Euro sogar ein neuer Rekordwert erreicht.

Für Heinz Bednar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), kommt die Beliebtheit der Immobilienfonds nicht von ungefähr. „Sie vermitteln Stabilität und sind ein wichtiger Baustein der Risikostreuung im Veranlagungsprofil von Privatinvestoren“, betont er. Tatsächlich dürften direkte Investments in Betongold über offene Fonds für viele Österreicher greifbarer sein als etwa Veranlagungen in Aktien heimischer Immobiliengesellschaften. Dafür werden auch geringere Renditen in Kauf genommen.

Stabile Renditen

Immerhin war mit Fonds wie dem Immofonds 1, dem Real Invest Austria, dem Erste Immobilienfonds oder dem LLB Semper Real Estate im Vorjahr ein Plus zwischen zwei und 2,6 Prozent zu lukrieren. Noch besser schnitt der Corum Origin ab, der Anfang 2019 seinen Österreich-Start feierte. Der offene Fonds der französischen Corum Asset Management erzielte 2018 zum siebten Mal in Folge eine jährliche Durchschnittsrendite von mehr als sechs Prozent. Hinter der starken Entwicklung steht laut CEO Frédéric Puzin vor allem der Fokus auf qualitativ hochwertige und langfristig vermietete Immobilien, die entsprechend starke Cashflows liefern. Letztere würden auch die Performance treiben.

Derzeit ist der 2012 aufgelegte Corum Origin in insgesamt 113 Objekte unterschiedlicher Gewerbeimmobiliensegmente – sprich Büro, Handel, Hotel und Industrie – in zwölf europäischen Ländern investiert. „Es ist immer besser, sich nicht nur auf einen Markt und eine Assetklasse zu konzentrieren, sondern auf mehrere gleichzeitig, um sein Risiko zu streuen“, sagt Puzin. Investiert werde ausschließlich in Märkte, von denen man langfristig überzeugt sei – selbst dann, wenn sie sich gerade in einer schwierigeren Phase befänden. Letzteres war beispielsweise 2012 und 2013 in Spanien oder 2014 und 2015 in den Niederlanden der Fall, wo Corum sich jeweils attraktive Schnäppchen mit stabilen Mieteinnahmen sichern konnte.

Aktienfonds mit Luft nach oben

Aber auch Immobilienaktien waren zuletzt nicht das schlechteste Investment. Seit Anfang 2019 hat etwa der 3-Banken-Immo-Strategiefonds ein Plus von fast zehn Prozent zu Buche stehen. Auf Einjahressicht liegt die Performance immerhin bei rund drei Prozent. In den Top-vier-Fondspositionen finden sich derzeit mit S-Immo, CA-Immo und Immofinanz gleich drei heimische Immobiliengesellschaften. Der S-Immo trauen Analysten selbst nach der guten Entwicklung der vergangenen Jahre – auf Fünfjahressicht beläuft sich das Plus auf 238 Prozent – weitere, wenn auch verhaltenere Kursgewinne zu. „In unserer Akkumulieren-Empfehlung spiegelt sich auch ein wenig Übernahmefantasie“, erklärt Erste-Group-Analyst Christoph Schultes. Damit spielt er auf die Merger-Thematik mit der Immofinanz an. Derzeit sieht er allerdings nur ein Barangebot als realistische Möglichkeit, die S-Immo zu übernehmen.

Insgesamt werden Immobilienaktien aktuell mit einem Abschlag auf ihren Nettoinventarwert gehandelt. Laut Vincent Bruyère, Senior-Portfoliomanager bei Degroof Petercam AM, liegt dieser in Europa bei rund 18 und in der Eurozone bei fünf Prozent. Das deutet darauf hin, dass Anleger mit sinkenden Immobilienbewertungen rechnen. Der Experte geht auf der Grundlage aktueller Marktdaten davon aus, dass die durchschnittlichen Nettoinventarwerte weiter steigen werden. „Und zwar nicht nur in A-, sondern auch in B-Lagen“, sagt er. Für die kommenden beiden Jahre stellt er Anlegern eine jährliche Gesamtrendite zwischen acht und neun Prozent in Aussicht. Davon soll die eine Hälfte aus der Dividende, die andere aus der Steigerung des Nettoinventarwerts kommen.