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diePresse diePresse 05.10.18

Brexit macht England umso interessanter

Brexit macht England umso interessanter

Von Christian Scherl

Welche Länder und Märkte derzeit bei Immobilieninvestoren am stärksten ins Visier rücken.

Der Investmentboom auf dem Immobilienmarkt hält nun schon seit einigen Jahren an. Grund dafür ist laut Corum Asset Management die Lockerung der Geldpolitik, die zwischen 2015 und 2017 stattfand und in Kombination mit niedrigen Zinssätzen viel Geld in die Realwirtschaft brachte. „Investitionen in Immobilienvermögen bieten eine lange, stabile und sichere Einnahmequelle und einen greifbaren Wert für die Anleger und sind derzeit attraktiver als die Renditen für Staatsanleihen“, heißt es vom Investment-Team aus dem Headquarter von Corum Asset Management in Paris.

Aber in welche Märkte wird investiert? Am stärksten in Gewerbeimmobilien – allerdings ist dieser Markt nicht der einfachste. Um bei Österreich zu beginnen: Hier hat sich das Angebot an Büroimmobilien laut dem Gewerbeimmobilienspezialisten CBRE deutlich verringert. Das Interesse der Investoren wäre vorhanden, die vorherrschenden Bedingungen würden die Anleger jedoch auf andere Assetklassen umschwenken lassen, bevorzugt Wohn- und Retailimmobilien. Corum Asset Management sieht bei Wohnobjekten allerdings das Problem, dass es hier zunehmend schwieriger werde, langfristig eine hohe Rendite zu erzielen. Das würde dann doch wieder für Gewerbeimmobilien sprechen – dieser Markt sei jedoch speziell für kleinere Anleger nicht so einfach zu betreten. Um das Risiko zu reduzieren, raten die Corum-Experten, sich auf ein breites Portfolio mit einer Diversifikation zu konzentrieren. Möglich sei das mit Immobilienfonds – das sei einfacher zu handhaben und ist sicherer als der Kauf einer physischen Gewerbeimmobilie. Die beste Rendite bei Industrie-Assets ortet das Corum-Investment-Team übrigens für Investoren, die zwischen 2010 und 2014 kauften, speziell in Regionen mit beschränkter Fläche, wie etwa in Großbritannien.

Langfristige Chancen

Apropos Großbritannien: Welche Auswirkung hat der Brexit auf das Verhalten der Investoren? „Dieser Markt bietet höhere Renditen für gewerbliche Immobilien als in Kontinentaleuropa, wenn die wirtschaftlichen Fundamentaldaten immer noch stark sind“, ist man bei Corum überzeugt. „Diese Unsicherheit hat sich auch auf den Wert des Pfunds gegenüber dem Euro ausgewirkt. Anleger, die bereit sind, das Währungsrisiko bei langfristigen Mietleasingverträgen von über sieben Jahren zu tragen, profitieren von einem Aufwärtspotenzial sowohl im Immobilienwert als auch im Wechselkurs.“ Büroimmobilien seien seit 2015 weitgehend stabil geblieben, Industrieobjekte brächten die niedrigsten Renditen. Für Risikofreudige seien demnach Einzelhandelsimmobilien am attraktivsten.

Lukrative Objekte zu finden wird freilich in ganz Europa in allen Assetklassen schwieriger. „Eine ausführliche Marktanalyse ist unerlässlich“, rät das Corum-Investment-Team, das Potenzial auf dem britischen Markt sieht. „Durch den Brexit haben viele Unternehmen den Markt verlassen, und es treten weniger Investoren in den Markt ein, obwohl dies mittel- und langfristig die Chance birgt, große Vermögenswerte zu einem vernünftigen Preis zu erhalten.“ Immerhin dürfe man nicht vergessen, dass Großbritannien zu den professionellsten Immobilienmärkten der Welt zählt. „Aufgrund seiner Größe, der hohen Transparenz und der hohen Professionalität.“

Die Niederlande seien ebenfalls interessant, wenn auch nicht mehr die Goldmine, die sie 2015 und 2016 waren. Auch in Zentral- und Osteuropa sollte das Volumen gewerblicher Immobilien stabil bleiben. „Diese Märkte bieten gute Renditen mit starken Mietern, und es lassen sich in der Regel neue Immobilien mit guten Renditen und einem sicheren Cashflow finden“, prognostiziert Corum und rät Anlegern: „Nutzen Sie die Vorteile von Eigenschaftszyklen, anstatt von ihnen beeinträchtigt zu werden.“

AUF EINEN BLICK

Länder und Märkte.Generell wird am stärksten in Gewerbeimmobilien investiert, das Gesamtvolumen der Investitionen in Europa wächst nach wie vor. In den reichen Industrieländern haben sich laut den Experten von Corum fast alle Bereiche gut entwickelt. Gute Chancen für Investoren sehen die Experten vor allem in Großbritannien – gerade aufgrund der derzeitigen Verunsicherung: Wer das Währungsrisiko nicht scheut, könne durch den Brexit große Vermögenswerte zu vernünftigen Preisen erwerben. Die CEE-Märkte seien ebenfalls interessant – und nach wie vor auch die Niederlande.

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